Grußwort Andreas Küppers


 

Liebe Musikfreunde,

ich möchte Sie herzlich zur Konzertsaison 2015/ 2016 begrüßen. Auch in diesem Jahr hat das Programm wieder ein breites Spektrum zu bieten: Komponisten von Renaissance bis Moderne, vokale und instrumentale Schwerpunkte, mannigfaltige Besetzungen, unterschiedliche Blickwinkel und Herangehensweisen.

Am 7. November wird das junge Bolongaro-Sextett, Gewinner des Hessischen Chorwettbewerbes 2013 und Preisträger des Deutschen Chorwettbewerbes 2014, mit einem reizvollen A-capella-Programm den Auftakt machen. Unter dem Titel „Novemberlicht“ zeigt das Frankfurter Ensemble in reizvollen barocken, romantischen und zeitgenössischen Werken von Schütz, Schein, Rheinberger, Poulanc, Kreek, Nees, Howells und Nystedt die unterschiedlichen Facetten von Licht und Finsternis auf und vermittelt dem Zuhörer die vielfältigen musikalischen Sichtweisen der Komponisten bis heute.

Am 5. Dezember begrüßen wir den renommierten Frankfurter Fagottprofessor und Solo-Fagottisten des WDR- Sinfonieorchesters, Henrik Rabien, mit Studierenden, Ehemaligen und Lehrenden seiner Klasse in Karben. Die berühmten Goldberg- Variationen von J. S. Bach, in einer spannenden Bearbeitung für Fagottensemble, lassen aufhorchen. Gerade die Polyphonie und Kontrapunktik des Werkes lassen sich durch die Stimmverteilung auf unterschiedliche Spieler sehr plastisch darstellen. Der Klangfarbenreichtum der sehr unterschiedlichen Fagott-Register, vom Diskant und Tenor über Bariton und Bass bis hin zum 16-Fuß des Kontrafagotts, erweist sich dabei als überraschend geeignet, eine Balance zwischen Selbstständigkeit und Harmonie der Einzelstimmen zu erreichen.

Georg Poplutz, einer der führenden deutschen lyrischen Tenöre, ist am 23. Januar mit dem Programm seiner neuesten CD-Einspielung in der Michaeliskirche zu Gast. Gemeinsam mit den Gitarristen Antje Asendorf und Stefan Hladek (beide Mitglieder des Barrios-Guitar-Quartets) gestaltet der Sänger auf neue und ungewohnte Weise Franz Schuberts Liederzyklus „Die schöne Müllerin“, den dieser 1823 auf Gedichte von Wilhelm Müller komponiert hatte. Mit einer historischen Romantikgitarre aus dem Jahr 1832 und dem seltenen Gitarreninstrument "Quintbass” als musikalische Partner interpretiert die Stimme von Georg Poplutz die Geschichte des jungen Müllersburschen auf der Suche nach Arbeit, nach einem Zuhause und nach seiner großen Liebe. Die Gitarre als Instrument der Wandersleute passt dabei besonders gut zum Liedtext.

Der 20. Februar steht ganz im Zeichen von italienischer Barockmusik. Das international anerkannte Rosenmüller-Ensemble unter der Leitung von Arno Paduch entführt die Konzertbesucher musikalisch in das 17. Jahrhundert. Auf dem Programm steht virtuose Instrumentalmusik im venezianischen Stil in der farbigen Besetzung mit Zink, Violine, Dulzian, Flöte, Gambe und Orgel. Es erklingen Werke von Johann Rosenmüller, der von 1658 bis 1682 in Venedig, zuerst im Orchester von San Marco und dann als "Maestro di coro" am Ospedale della Pieta wirkte, sowie von seinen Zeitgenossen Johann Heinrich Schmelzer, Giovanni Battista Fontana und Biaggio Marini.

Am 16. April gastiert das französische Ensemble l'Autre mOnde in Karben. Ein Barockensemble im Sinne der historischen Interpretationspraxis und eine Formation, die neugierig ist auf zeitgenössische Komponisten: l'Autre mOnde ist beides. Bei den Komponisten des Barock, wie auch in der zeitgenössischen Musik begegnet uns eine Fülle an spannender Ensemblemusik. l'Autre mOnde stellt diese beiden Klangwelten einander gegenüber und findet dabei überraschende Parallelen und reizvolle Gegensätze. Experimentierfreude, Liebe zum musikalischen Detail und ein unbedingter emotionaler Impuls sind dabei der gemeinsame Nenner für die Erschließung der unterschiedlichen Werke von Telemann und Händel bis zu Sciarrino.

Wie auch im letzten Jahr wird am Nachmittagtag desselben Tages ein Kinderkonzert mit Ausschnitten aus dem Abendprogramm angeboten. Wir laden alle Grundschulkinder mit ihren Eltern und Geschwistern ein, einen Barocktanz auszuprobieren, ein eigenes Stück zu komponieren, Musik zu hören und selber zu gestalten. „Herr Händel liebt Italien“ verspricht ein vergnügliches Kinderprogramm zum Zuhören und Mitmachen.

Ihr Andreas Küppers