17. Januar 2015
19.00 Uhr


 

PER IL SALTERIO

Ensemble La gioia armonica
Margit Übellacker, Hackbrett
Jürgen Banholzer, Cembalo
 

  

 

Angelo Conti Sonata per il Saltero con Basso
(fl. ca. 1770) Vivace Assai - Largo – Minuetto
    
Carlo MONZA Flautino
(~ 1735-1801)  
    
Melchiorre CHIESA Sonata Per Salterio
(fl. ca. 1770) Andantino – Allegro
    
Carlo MONZA Suonata à Saltero e Basso
(~ 1735-1801) [Moderato]  - Presto
    
Georg Friedrich HÄNDEL Suite No. 5 HWV 430
(1685-1759) (Suite de Pièces pour le Clavecin)
  Prélude - Allemande - Courante - Air
    
Melchiorre CHIESA Suonata à due / Saltèro e Basso / Obligato
(fl. ca. 1770) Allegro - Largo ma non tanto – Allegro
    
Baldassare Galuppi Sonata
(1706-1785) Adagio – Allegro
    
Carlo MONZA Suonata Saltero / Con Basso
(~ 1735-1801) Allegro - Largo - Minuetto
    
 

  

 

Das Ensemble LA GIOIA ARMONICA wurde von der österreichischen Hackbrett-Spielerin Margit Übellacker und dem deutschen Organisten und Sänger Jürgen Banholzer gegründet. Ein Arbeitsschwerpunkt des Ensembles liegt in der Erkundung des barocken Repertoires rund um das Hackbrett, speziell das sagenumwobene Pantaleon. Die Besetzungsstärke des Ensembles ist variabel und reicht vom Duo Hackbrett-Orgel bis zu größeren kammermusikalischen Formationen (auch mit Sängern), in denen Musiker zusammengeführt werden, die sich auf dem Gebiet der Historischen Aufführungspraxis spezialisiert haben und über reiche Erfahrungen aus verschiedenen internationalen Ensembles verfügen.

Mit Antonio Caldara: Cantate, Sonate ed Arie legte LA GIOIA ARMONICA beim Label RAMÉE seine erste Einspielung vor. Die CD erhielt mehrere Preise (Pizzicato Supersonic Award, Goldberg: 5 Ètoiles, Prelude Classical Award 2006 für die beste Debut CD). Seitdem wurde das Ensemble zu Konzerten im In- und Ausland eingeladen, u.a. zu den Händelfestspielen in Halle, zum Bachfestival Dordrecht, in die Laurenskerk in Rotterdam, zum Early Music Festival in Timisoara, zum Festival de Musique Ancienne in Leytron, zu den Mitteldeutschen Heinrich-Schütz-Tagen, zum Orgelfestival Fugato in Bad Homburg, zu OrgelPlus in Bottrop sowie zu Konzertreihen des Staatlichen Musikinstrumentenmuseums in Berlin und der Akademie der Wissenschaften in Mainz.

2013 erschien Johann Georg Reutter: Portus Felicitatis, die zweite CD des Ensembles beim Label RAMÉE und in Zusammenarbeit mit Radio Bremen. Sie bringt Motetten und Arien für das Pantaleon von einem der erfolgreichsten Komponisten für Kirche und Theater am Wiener Hof um 1750. "Der Titel dieses doppelten Raritätenalbums, das Reutter endlich rehabilitiert, ist hervorragend gewählt. Für Liebhaber der Klassik abseits des Mainstreams ist Portus Felicitatis wirklich ein Hafen der Seligkeit." (Dirk Kruse, Bayrischer Rundfunk) George Pratt nannte die CD "wonderfully revelatory" und „breathtakingly beautiful“. (BBC Music Magazine).

 

Margit Übellacker widmet sich in erster Linie der Wiederbelebung barocker und mittelalterlicher Repertoires für historische Hackbrett-Typen (Pantaleon, Salterio, Dulcemelos). Wichtige Impulse dazu bekam sie in ihren Studien in Basel (Schola Cantorum Basiliensis), Linz und München.

Sie ist Mitbegründerin der Ensembles La Gioia Armonica,dulcian.dulcimer@org sowie Dulce Melos und spielt außerdem bei zahlreichen Tourneen, Konzerten, Rundfunk-, Fernseh- CD- und DVD-Aufnahmen mit den Ensembles L’Arpeggiata (Ltg. Christina Pluhar, mit Solisten wie Philippe Jaroussky, Nuria Rial, Gian Luigi Trovesi, Marco Beasly, Lucilla Galleazzi und mit den King’s Singers), Shield of Harmony (mit dem Sänger Andreas Scholl), Musica Alta Ripa, les Passions de l’Ame, Musica Fiorita, Coriandolo, Il Suonar Parlante, Oni Wytars, dem Australian Brandenburg Orchestra, demOrchestre Philharmonique de Radio France, dem WDR Rundfunkorchester Köln, dem Mozarteum-Orchester (Ltg. Ton Koopman), dem L’Orfeo Barockorchester Linz (Ltg. Michi Gaigg) und mit Maurice Steger. Sie konzertierte im Duo mit Crawford Young (Laute) und mit Aline Zylberajch (Fortepiano).

Auftritte führten sie in viele Länder Europas sowie nach Südamerika, Australien, Japan, Hong Kong, Indien, Rußland und in die USA (u.a. Carnegie Hall).

 

Jürgen Banholzer studierte Orgel in Boston bei James David Christie, dann als Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes bei Ludger Lohmann in Stuttgart (Kirchenmusik A) und bei Jean Boyer am Conservatoire Supérieur de Musique in Lyon. Es folgte ein Gesangsstudium an der Schola Cantorum Basiliensis. Im Fach Musikwissenschaft promovierte er an der Universität Mainz. 

Als Organist konzertiert er in Deutschland, Österreich, Frankreich und der Schweiz. Sein besonderes Interesse gilt der Orgelmusik und den Orgeln des 17. und 18. Jahrhunderts. Als Continuospieler ist er Gast bei Ensembles wie dem Johann Rosenmüller Ensemble, dem Freiburger Barockorchester, dem Balthasar-Neumann-Ensemble, L'Arpa festante, La Dolcezza oder Stefan Temmingh & Ensemble.

Solistische Auftritte als Countertenor führten ihn bis 2010 in Konzerten, Rundfunk- und CD-Aufnahmen mit Dirigenten wie Thomas Hengelbrock, Ivor Bolton, Harry Christophers oder Jean-Claude Malgoire und mit Orchestern und Ensembles wie Concerto Köln, Il Seminario Musicale, Das Kleine Konzert, Concerto poetico Zürich, L’arpa festante, L’Orfeo, La Gamba zusammen. Szenische Aufgaben übernahm er bei den Ludwigsburger Schloßfestspielen, beim Festival de Musique du Haut-Jura, den Wiener Festwochen, am Münchner Prinzregententheater, beim Feldkirch-Festival und im Festspielhaus Baden-Baden. Den Ensemblegesang pflegte er u.a. mit dem Huelgas Ensemble, dem Johann Rosenmüller Ensemble, mit Capella Ducale & Musica Fiata, Clemencic Consort, La Fenice, Weser-Renaissance, La Chapelle Rhenane, Balthasar-Neumann-Chor, Amsterdam Baroque Choir bei Festivals in zahlreichen europäischen Ländern, sowie in U.S.A. und China.

Von 2004-2014 war er Lehrbeauftragter am Musikwissenschaftlichen Institut der Johannes Gutenberg Universität Mainz (Generalbaß, Partiturspiel, Analyse, historische Satzlehre).

  

PROGRAMMTEXT

Wie in früheren Jahrhunderten, so existieren auch heute verschiedenste Typen eines meist mit einheimischer Musik in Verbindung gebrachten Instruments, das in deutschsprachigen Ländern als Hackbrett bekannt ist, als Zimbal in Osteuropa, als Santur in Persien usw. Die Europäische Musikgeschichte kennt Zeiten, in denen dieser Instrumententyp auch in der Kunstmusik geschätzt wurde. In Mittelalter und Renaissance fand das sogenannte Dulcemelos Verwendung. In Deutschland war im frühen 18. Jahrhundert das Pantaleone berühmt und für die Geschichte des mitteldeutschen Fortepiano-Baus von enormer Bedeutung. Inzwischen ist auch das Salterio wieder entdeckt worden, eine italienische Form des Hackbretts, für das eine beachtliche Quantität von Werken in italienischen Bibliotheken erhalten ist, darunter die in diesem Programm erklingenden Werke von Melchior Chiesa, Carlo Monza und Angelo Conti.

Charles Burney nennt 1770 in seinen Reiseberichten aus Mailand Monza und Chiesa „die beyden besten hiesigen Theaterkomponisten“. Carlo Monza wurde 1768 Hoforganist und 1775 Hofkapellmeister in Mailand (in beiden Ämtern Nachfolger G.B. Sammartinis, dessen Schüler er möglicherweise war). 1787 zum Kapellmeister der Mailänder Kathedrale gewählt, konzentrierte sich der erfolgreiche Opernkomponist von nun an auf die Komposition kirchlicher Werke. Melchiorre Chiesa war seit 1762 Kapellmeister von St. Maria della Scala und von 1778 bis 1779 gemeinsam mit G.B. Lampugnani „maestro al cembalo“ im Teatro alla Scala. 1771 spielte Chiesa das zweite Cembalo in Mozarts erster opera seria „Mitridate“. Vater Mozart schreibt aus Mailand an seine Frau: „Wenn man mir vor ungefehr 15 oder 18 Jahren, da Lampugnani in Engelland und Melchior Chiesa in Italien so vieles geschrieben, und ich ihre opera Arien und Sinfonien gesehen, damals gesagt hätte, diese Männer werden der Musick deines Sohnes dienen und wenn er vom Clavier weggehet, hinsitzen und seine Musik accompagniren müssen, so würde ich einen solchen als einen Narren ins Narrenspittal verwiesen haben.“

Von den in unserem Programm erklingenden Werken für Tasteninstrumente ist Händels Suite in E-Dur vor allem durch die am Schluß erscheinende Air mit Variationen bekannt. Händel schrieb die erste Sammlung seiner Cembalosuiten in seinen ersten Jahren in England, wo er sie 1720 auch veröffentlichte. Zu dem Thema der Variationen am Ende der E-Dur Suite soll Händel durch das Hämmern eines Schmiedes inspiriert worden sein, in dessen Schmiede er vor plötzlichem Regen Zuflucht suchte. Einige meinen, die insistierenden Wiederholungen der Note h in einigen Variationen ahme das Hämmern in der Schmiede nach, andere behaupten, der Schmied habe während des Hämmerns die von Händel variierte Melodie gesungen. Vermutlich ist die ganze Geschichte um den „Harmonischen Grobschmied“ eine amüsante Erfindung des 19. Jahrhunderts.

Margit Übellacker und Jürgen Banholzer