Grußwort Pfarrer Giesler


 

An die Freunde der Kammermusik

Wir machen Musik,
da geht Euch der Hut hoch,
wir machen Musik,
da geht Euch der Bart ab,
wir machen Musik,
bis jeder beschwingt singt:
do, re, mi, fa, so, la, ti, do.
Wir machen Musik,
da geht Euch der Knopf auf,
wir machen Musik,
da bleibt Euch die Luft weg,
wir machen Musik,
bis Euch unser Takt packt:
do, la, so, mi, do.

 
Das mag jetzt nicht der passende Vorspann für eine ganz ernstzunehmende Musikreihe zu sein, passt aber dennoch ganz genau.
30 Jahre existiert nun unsere Konzertreihe „Musik in der Kirche“, mit ganz unterschiedlichen Programmen vom Barock bis in die Moderne, von Solo bis Oktett, von Renaissance-Chören bis Jazz-Solo-Gesang.
Und manchmal ist dem einen oder anderen Besucher der Hut hoch gegangen, so innerlich, weil er die Übersicht über moderne Klangvielfalt verloren hatte und dieser „Krach“ ihn dann doch zu sehr herausgefordert hatte.

Bei manchen Konzerten konnte ich buchstäblich sehen, wie alte Bärte, mit denen scheinbar klassische Musik daher kommt, verschwanden und die Zuhörer sich frenetisch im Takt wiegten.
Und dann sahen wir Knöpfe auf gehen, weil sich Herzen weiteten und schier rausdrängten aus den Anzugsjacken vor Gefühl und Rührung.
Und wie oft blieb uns die Luft weg, weil wir unglaubliches Können der Musikerinnen und Musiker bestaunen konnten.
Ja in den dreißig Jahren „Musik in der Kirche“ hat uns der Rhythmus, der Takt dieser Konzertreihe gepackt und uns in Bewegung versetzt.
Deshalb möchte ich an dieser Stelle allen von ganzem Herzen danken, die diese Konzertreihe ermöglicht haben, den musikalischen Leitern Bernd Knittel, Philipp Bosbach, Prof. Hubert Buchberger, Andreas Küppers und Prof. Jan Ickert, aber vor allem auch den ehrenamtlichen Mitarbeitern unserer Kirchengemeinde, die mit ihren fleißigen Händen und ihrem Engagement die Konzerte erst ermöglicht haben. Auch den Mitgliedern des Förderkreises danke ich ganz herzlich, die mit ihrem Mitgliederbeitrag zum finanziellen Fundament der Konzertreihe beigetragen haben sowie viele Unternehmer mit ihren Anzeigen im Programmheft.
All dieser Einsatz hat uns nun 30 Jahre in Bewegung gehalten.

Bewegung ist gut. Es ist gut in Bewegung zu bleiben, nicht zu erstarren oder in eine immer gleiche Mechanik zu verfallen. Dafür steht die Musik, Menschen in Bewegung zu versetzen, zu halten, um nicht zu erstarren, um nicht sich irgendwie in eine Ideologie, in Feindbilder, in Überzeugungen festzufahren, sondern Leben immer wieder auch neu zu leben, einen neuen Rhythmus und damit eine neue Sicht auf das Leben zu geben. In diesen Zeiten, in denen Ideologen, Populisten wieder das Sagen an sich reißen, wäre es gut, wenn wir durch die Musik spüren, dass Leben, will es gutes Leben sein, Bewegung ist, mit neuen Drehungen und Wendungen, mit neuem Rhythmus, mit neuen Sichten.

Zum Schluss sei deshalb auch erwähnt, dass dieses kleine Liedchen der Ilse Werner, das 1942 während des Kampfes um Stalingrad entstand, von Ideologen missbraucht wurde, um im Nazi Deutschland Menschen vom Schrecklichen abzulenken, abzulenken vom sinnlosen Kriegen und Morden. Dazu aber ist Musik nicht da, nicht zum Zudröhnen und Betäuben, sondern zum Wachwerden, damit mit großer Lust das Leben offen und frei gelebt werden kann. Mit einer Musik die ganz unterschiedlich ist, so bunt eben wie das Leben auf dieser Erde.

 

Ihr Pfarrer Werner Giesler