Grußwort Pfarrer Giesler


Wir machen Musik

Wir machen Musik, da geht Euch der Hut hoch,
wir machen Musik, da geht Euch der Bart ab,
wir machen Musik, bis jeder beschwingt singt:

do, re, mi, fa, so, la, si, do.

Wir machen Musik, da geht Euch der Knopf auf,
wir machen Musik, da bleibt Euch die Luft weg,
wir machen Musik, bis Euch unser Takt packt:

do, la, so, mi, do.

Mit Musik ist ja das ganze Leben nur noch halb so schwer,
mit Musik erreicht man ja auf dieser Welt bestimmt viel mehr,
wir machen Musik, da geht Euch der Hut hoch,
wir machen Musik, da geht Euch der Bart ab,
wir machen Musik, bis jeder beschwingt singt,
wir machen Musik, wir machen Musik, wir machen Musik. 

Die Überschrift stimmt: Wir machen Musik - auch wieder in der Saison 2015/2016. Aber ist das eine angemessene Ankündigung einer ernsten und ehrwürdigen Konzertreihe? Ein Schlagertext eines Revuefilmschlagerchens der 40er Jahre zur Ankündigung von Konzerten mit Werken von Johann Sebastian Bach, von Franz Schubert, von Heinrich Schütz und all den anderen Größen der ernsten Musik. 

Dieses Schlagerchen sagt: Warum die Sängerinnen und Sänger, die Musiker dieses Liedes spielen und singen, warum überhaupt Musiker Musik machen:
Damit den Hörerinnen und Hörern der Hut hoch geht und der Bart ab, damit das Leben halb so schwer wird. 

Ein schöner Gedanke: Musik ist nicht nur zur Unterhaltung da, sondern auch um Menschen in eine Stimmung zu bringen, die sie dazu bringt, alte Bärte abzuschneiden, Veränderung herbei zuführen, so dass denen, die immer noch auf das Althergebrachte schwören, der Hut hoch geht.
Musik, nicht mehr nur eine Freizeitbeschäftigung, ein Gedudel so neben her, sondern ein Kulturgut, das Menschen eine Kultur bringt, in der das Leben beschwingt von statten geht.
Eine solche Kultur brauchen wir gerade in heutiger Zeit, in der so viel das Leben der Menschen beschwert:
Die Flüchtlingsströme, die Ängste um das Ersparte, die Konflikte auf dieser Erde, die nicht zur Ruhe kommen, und so vieles andere. 

Gewiss: Musik wird die Welt nicht verändern, das kann sie nicht. Aber das kann die Musik: Sie kann uns über die Enge des Alltags hinaus führen, ein Stück dem Himmel entgegen. Sie schenkt uns in diesen Augenblicken das Gefühl von Weite und Grenzenlosigkeit. Und damit zugleich eine Ahnung von dem was neben der Enge des Alltags, den Kleinkriegen,  den ängstlich engen Sorgen noch an Leben möglich ist. Damit kann sie bewirken, dass wir die engen Grenzen unseres Denkens, die eingefahrenen Meinungen, die harten Worte, die wir anderen gegenüber gebrauchen, hinter uns lassen, die alten Bärte abschneiden und Neues wagen, beschwingt durch die Möglichkeit, die uns die Töne der Musik eröffnen. 

Das wäre eine gute Sache. Und deshalb machen wir auch in diesem Jahr wieder Musik. Damit wir beschwingt werden, damit uns auch der alte Bart abgeht, damit uns der Hut hochgeht und wir uns vielleicht nach den Konzerten so beflügelt und ermutigt das Leben halb so schwer machen. 

In diesem Sinne wünsche ich uns eine gute und erfolgreiche Konzertsaison 2015/16.
 

Ihr Werner Giesler