Grußwort Pfarrer Giesler


An die Freunde der Kammermusik

 

Es ist ratsam, gewisse Viertel in Großstädten zu meiden. Und zu bestimmten Zeiten gilt es in Frankfurter U-Bahn Stationen wachsam und vorsichtig zu sein, will man sich nicht spontaner und sinnloser Gewalt ausliefern. 

Vor ein paar Wochen stand ich in Frankfurt in einer U-Bahnstation zur späten Stunde.Eine Horde junger Männer kam polternd die Rolltreppe gegen die Fahrtrichtung herunter. Sie zogen den Blick der Wartenden auf sich. Ängstliche Blicke waren da zu sehen. Man schaute sich um, wohin man eventuell vor dieser Horde fliehen kann. 

Sie stellten einen Ghettoblaster auf den Boden und sogleich begann es zu dröhnen. Zu hören war etwas Unerwartetes, jener uralte bekannte Kanon von Pachelbel. Dann begannen drei von ihnen dazu einen Art Sprechgesang, einen Rap.

Ihre Texte erzählten von Gewalt, von der Sch… Situation in den Hochhaussiedlungen, von der Chancenlosigkeit in Sachen Arbeit, von der lächerlichen Angst und dem lächerlichen Leben der Normalbürger. Keine Prügel, mit der die jungen Männer ihre Wut und ihren Zorn über ihre Lebenssituation herausließen, sondern Musik, mit der sie das, was sie bewegt, zum Klingen bringen. Ein Sprache, die alle verstehen können.

Die Wartenden entspannten sich, ja rückten einwenig näher an die jungen Männer heran, um besser zu hören und ihre fremd wirkenden Tanzbewegungen zu begutachten.
Ihre Musik war provokant, aggressiv, aber die Angst war verflogen. Friede war wieder eingekehrt, nachdenklicher Friede, unterhaltsamer Friede.


Musik ist ein Beitrag zum Frieden.

Ihre Sprache ist international. Sie kennt keine Grenzen, keine sozialen Unterschiede. Sie stimmt Menschen aufeinander ein, führt sie zusammen, wie damals in der U-Bahn.
Wenn nun wieder unsere Reihe Musik in der Kirche beginnt, dann ist das eben auch ein Beitrag zum Frieden, zum Sprengen von Grenzen, um das Verständnis untereinander zu fördern.


Ich wünsche uns allen eine gute und gesegnete Saison Musik in der Kirche 2008/2009.

Ihr Pfarrer Werner Giesler