Grußwort Prof. Buchberger


Konzertsaison 2011/2012


Zur neuen Konzertsaison in der Karbener St.-Michaelis-Kirche möchte ich Sie wiederum ganz herzlich einladen!

Den Rahmen unserer fünf Konzerte bilden diesmal zwei Konzerte mit Werken von Joseph Haydn, einem Komponisten, der auch außerhalb von Jubiläumsjahren in seinem außergewöhnlich vielgestaltigen Oeuvre immer wieder Neues bietet:

Im ersten Konzert dieser Saison widmet sich das 2009 gegründete Ensemble „Divertimento Francoforte“ gemeinsam mit dem Cembalisten Diez Eichler zwei für Haydn bedeutsamen Instrumenten. Das klassische „Baryton“ war das Lieblingsinstrument des Fürsten Nikolaus Eszterhazy, dem langjährigen Dienstherrn von Joseph Haydn. Es verfügt über sechs wie eine Gambe gestimmte Streichsaiten aus Darm und neun diatonisch gestimmte Resonanzsaiten aus Messing, die auf der Unterseite des Halses verlaufen und auch während des Streichens mit dem Daumen der linken Hand angezupft werden können. Haydn hat mehr als 120 Trios für dieses Instrument komponiert. Ergänzt wird das Programm durch Kompositionen für das „Clavichord“, einem Tasteninstrument, das im 17. und 18. Jahrhundert sehr weit verbreitet war und das sich mit seinem sehr intimen und modulationsfähigen Klang für die häusliche Musik besonders eignete. Haydn besaß wie auch Mozart ein Clavichord und hat gerade in seinen späten Jahren meistens an diesem Instrument komponiert.

Im letzten Konzert geht es um ein Werk, das Haydn für eines seiner besten hielt und das sehr schnell in ganz Europa verbreitet war: Die Passionsmusik über „Die sieben letzten Worte des Erlösers am Kreuze“ war ein Auftragswerk für die Karfreitagsliturgie in der südspanischen Bischofsstadt Cádiz, zunächst als Orchesterwerk komponiert und vom Komponisten selbst bereits ein Jahr später für Streichquartett bearbeitet. Im gleichen Jahr kam das Werk als Klavierauszug heraus und 1796 noch in einer oratorischen Fassung für Soli, Chor und großes Orchester.

Unser Dezemberkonzert, traditionell ein „Adventskonzert bei Kerzenschein“, bringt ein barockes Programm mit Triosonaten und Quartetten von Georg Friedrich Händel und Georg Philipp Telemann. Außerdem enthält das Programm Werke von Johann David Heinichen, der noch als Jurastudent der Universität von 1702 bis 1705 in Telemanns Leipziger „Collegium musicum“ mitspielte. Die Ausführenden sind Studierende und Absolventen des Instituts für Historische Interpretationspraxis an der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, einer der führenden Ausbildungsstätten für die Interpretation alter Musik.

Das dritte Konzert ist eine Art „Neujahrskonzert“! Das  „Kreisler–Quintett“ gründete sich im Jahr 2010 und besteht aus Musikerinnen des Frankfurter Opernhaus- und Museumsorchesters, die sich mit dem Wiener Kontrabassisten Mario Schott-Zierotin zusammengetan haben, um gemeinsam Musik aus dem alten Wien zu spielen und dabei immer wieder verborgene Schätze ans Tages-licht bringen. Während des Konzerts werden launige Anekdoten erzählt, aber auch Wissenswertes rund um die gespielten Musikstücke, deren Komponisten und die historischen Zusammenhänge.

Im vierten Konzert begrüßen wir dann mit dem Aris-Quartett ein junges, aber bereits mit einigen Förderpreisen ausgezeichnetes Ensemble. Auf dem Proramm steht unter anderem das Streichquartett von Giuseppe Verdi, über das der Komponist schrieb: „In Neapel habe ich – eigentlich nur in meinen Mußestunden – ein Quartett geschrieben. Im kleinen Kreis habe ich es dann bei mir zu Hause aufführen lassen. (...) Ich weiß nicht, ob das Quartett gut oder schlecht ist - - - , aber es ist immerhin ein Quartett.“ Verdi hat bereits in jungen Jahren besonders die Quartette von Haydn sehr genau studiert und so verwundert es nicht, dass es dem Opernkomponisten gelingt, ein teilweise italienisch gefärbtes, aber ganz quartettmäßig komponiertes Werk zu schaffen, dessen hoher Rang heute zweifelsfrei feststeht.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Ihr Hubert Buchberger